
Panoramablick über Portugals Hauptstadt Lissabon. Der Tejo, der wichtigste Fluss des Landes, der Mitten durch Portugal fließt, mündet hier in den Atlantik. (Quelle: Helles Köpfchen )
|
Die Hauptstadt Portugals ist Lissabon (portugiesisch: Lisboa). Sie hat fast 2 Millionen Einwohner und liegt an der Mündung des Tejo. Der Tejo ist der wichtigste Fluss Portugals. Er fließt vom Nordosten des Landes in Richtung Südwesten und teilt Portugal damit quasi in zwei Hälften. Bei Lissabon mündet er in den Atlantik.
Das Klima in Portugal wird hauptsächlich vom Atlantik bestimmt. Im Norden ist das Klima relativ feucht und kühl. Weiter südlich kann es im Landesinneren im Sommer sehr heiß und trocken werden.
Als im 5. Jahrhundert das Römische Reich zusammenbrach, nutzten zunächst verschiedene Stämme - Vandalen, Alanen, Westgoten und Sueben - die entstandene Lücke. Doch bald darauf wurde das Gebiet des heutigen Portugal von einer weit mächtigeren Streitmacht erobert: Muslimische Mauren aus Nordafrika übernahmen die Herrschaft. Die neuen Herrscher waren Juden und Christen gegenüber tolerant. So war es den kleinen christlichen Landbesitzern beispielsweise erlaubt, ihr Land weiterhin zu bewirtschaften. In jener Zeit wurden viele arabische Wörter in die portugiesische Sprache und arabische Eigenheiten in die portugiesische Küche übernommen. Das zeigt sich vor allem an den süßen Kuchen und Nachspeisen, die bis heute gerne gegessen werden. Auch die Technik der kunstvollen Bemalung von Kacheln haben die Portugiesen von den Mauren übernommen. Allerdings haben die Portugiesen diese Kunst so weit verfeinert, dass die so genannten "Azulejos" heute als portugiesische Kunstform gelten. Im 8. Jahrhundert n. Chr. jedoch regte sich Widerstand gegen die maurische Besatzung. Vom Norden her begannen christliche Armeen, die Araber zu vertreiben. Diese "Reconquista" genannte Auseinandersetzung dauerte mehr als 700 Jahre. Im Jahr 1250 hatten die Christen die Mauren vollständig vertrieben. Seefahrer- und Kolonialmacht
Die Forschungsreisen führten Portugal im 15. Jahrhundert bis zu den Kapverdischen Inseln, dem Golf von Guinea und dem Kap der Guten Hoffnung. Im Jahr 1497 erreichte der Seefahrer Vasco da Gama mit seiner Flotte Südindien. In den darauf folgenden Jahren gelangten portugiesische Seefahrer bis an die Küsten Timors, Chinas und Japans. Durch Gold und Sklaven aus Afrika sowie Gewürze aus dem Osten wurde Portugal innerhalb kürzester Zeit unglaublich reich. Spanische Herrscher und französische Invasoren
In den folgenden Jahrzehnten wurden die Geschicke Portugals wieder von dem portugiesischen Adel gelenkt. Allerdings geriet Portugal dabei in eine immer größere wirtschaftliche Abhängigkeit von England. Dem versuchte ein Mann entgegenzuwirken: Marques de Pombal, der erste Minister des Königs. Er reformierte Handel und Industrie, stärkte die Landwirtschaft und schaffte die Sklaverei ab. Als im Jahr 1755 die Hauptstadt Lissabon von einem schweren Erdbeben fast völlig zerstört wurde, ließ er die Stadt nach seinem Plan völlig neu aufbauen. 1807 besetzten französische Truppen unter Napoleon das Land, die königliche Familie musste nach Brasilien fliehen. Nachdem Portugal die französischen Truppen mit Hilfe Englands vertrieben hatte, erhielt das Land im Jahr 1821 zum ersten Mal in seiner Geschichte eine Verfassung. Damit wurden die Vorrechte der Kirche und des Adels abgeschafft. Fortan sollte ein aus zwei Kammern bestehendes Parlament die Verantwortung für das Land übernehmen. Diktatur und Revolution der Nelken
Die folgenden Jahre waren allerdings geprägt von Aufständen und Konflikten. Im März 1916 beteiligte sich Portugal auf Seiten Englands und Frankreichs am 1. Weltkrieg. Von den 10.000 Soldaten, die Portugal in diesen Krieg schickte, kehrten nur 3.000 zurück. In 16 Jahren - bis 1926 - gab es 45 Regierungswechsel. Ein Militärputsch im Jahr 1926 beendete die so genannte "1. Republik". Der Wirtschaftsprofessor António de Oliveira Salazar wurde zunächst Finanzminister, ab 1932 übernahm er den Posten des Ministerpräsidenten. 1933 rief er eine neue Verfassung und einen neuen Staat aus, den so genannten "Estado Novo". Die folgenden 36 Jahre herrschte er als Diktator in dem von ihm geschaffenen autoritären Staat. Er schaffte das Mehrparteiensystem ab und richtete eine Geheimpolizei (PIDE) ein. Die Aufgabe der Geheimpolizei war es, die Bürger auszuspionieren und politische Gegner aufzuspüren. Mit Verhaftungen und Folter wurde jede Bewegung unterdrückt, die sich gegen das Regime von Salazar einsetzte. Im 2. Weltkrieg blieb Portugal neutral. Es war ein anderer Krieg, der das Regime Salazar zu Fall bringen sollte: Der Kampf um die Kolonien. Salazar weigerte sich, die Kolonien aufzugeben. Immer mehr Geld floss in die teuren Militäreinsätze, mit denen er die Kolonien unter Kontrolle zu halten versuchte. Doch diese Politik wurde weder von der Bevölkerung noch von den Soldaten unterstützt. Nachdem Salazar im Jahr 1970 den Folgen eines Schlaganfalls erlegen war, wurde es für seinen Nachfolger Marcelo Caetano immer schwieriger, diese Politik durchzusetzen.
Der Präsident wird alle fünf Jahre direkt vom Volk gewählt. Er ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte. Er ernennt den Premierminister und den Ministerrat. Dabei muss er sich allerdings nach dem Ergebnis der Parlamentswahl richten. Der Premierminister leitet als Regierungschef den Ministerrat, der aus allen Kabinettsmitgliedern besteht. Er ist sowohl dem Präsidenten als auch dem Parlament gegenüber verantwortlich. Das Parlament, portugiesisch Assembleía da República, besteht aus 230 Mitgliedern, die für vier Jahre direkt vom Volk gewählt werden. Es gibt zwei große Parteien in Portugal: Die sozialdemokratisch orientierte Sozialistische Partei (PS) und die bürgerlich-konservativ orientierte Sozialdemokratische Partei (PSD). Bei den letzten Wahlen im Feburar 2005 wurde der Sozialdemokrat José Sócrates zum Premierminister gewählt. Staatspräsident ist der bürgerlich-konservative Politiker Aníbal Cavaco Silva. Das relativ kleine Land Portugal hat eine sehr aufwändige Verwaltungsstruktur. Es ist unterteilt in fünf Regionen, 18 Distrikte und die zwei autonomen Inselregionen Azoren und Madeira. Darunter folgen etwa 300 Kreise und 4.200 Gemeinden. Da diese Gliederung ziemlich umständlich und teuer ist, soll die gesamte Verwaltungsstruktur reformiert werden. Internationale Beziehungen
Seit 1986 ist Portugal auch Mitglied der Europäischen Union. Im ersten Halbjahr des Jahres 2000 hatte es den Vorsitz im Rat der Europäischen Union inne. Portugal versuchte in dieser Zeit vor allem, die Zusammenarbeit und die Verständigung mit den verschiedenen Ländern Afrikas zu stärken. Im Jahr 2004 wurde der portugiesische Premierminister José Manuel Barroso zum Präsidenten der EU-Kommission ernannt. Die EU-Kommission ist ein von den Mitgliedsländern unabhängiges Gremium der Europäischen Union. Die Kommissare dienen also nicht ihren jeweiligen Herkunftsstaaten, sondern der EU als Ganzem.
Eines der größten wirtschaftlichen Probleme Portugals ist die teure Landwirtschaft. Immer noch arbeiten viele Menschen in diesem Bereich. Das Geld, das dabei verdient wird, wird jedoch immer weniger. Das berühmteste landwirtschaftliche Produkt Portugals ist der Kork. Die knorrigen Korkeichen prägen vor allem im Süden die Landschaft. Da weltweit immer mehr Flaschenkorken aus Kunststoff verwendet werden, sinkt jedoch auch hier die Nachfrage. Der Tourismus wird in Portugal immer wichtiger. Vor allem die Strände an der Algarve im Süden des Landes ziehen immer mehr Urlauber an. Die meisten Touristen kommen aus dem benachbarten Spanien und aus Großbritannien.
Land der Poeten
Fernando Pessoa (1888-1935) gilt nach Camoes als bedeutendster Dichter Portugals und als einer der wichtigsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Seine Werke veröffentlichte er unter vier verschiedenen Namen, die jeweils eine andere Persönlichkeit des Autors verkörperten. Auch heute spielen portugiesische Schriftsteller in der internationalen Literaturszene eine wichtige Rolle: José Saramago war im Jahr 1998 der erste Portugiese, dem der Nobelpreis für Literatur verliehen wurde. Saudade und Fado
Die Sängerin Amália Rodrigues verkörperte den Fado und die Saudade wie keine Zweite. Die im Jahr 1999 verstorbene Künstlerin wird daher auch als "Königin des Fado" bezeichnet.
Bacalhau, Caldo verde und Portwein
Daneben gibt es aber auch zahlreiche verschiedene Fleisch- und Gemüsegerichte. Das bekannte Gericht "Caldo Verde" ist eine traditionelle Grünkohl-Kartoffelsuppe aus einem speziellen portugiesischen Kohl, die typischerweise mit Maisbrot und portugiesischer Wurst (Chourico) serviert wird.
In der ganzen Welt berühmt ist Portugal für den Portwein. Dieser veredelte Wein stammt aus der Gegend um Porto, der zweitgrößten Stadt des Landes. Er wird vor allem zum Dessert getrunken.
|
